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Katharina wurde eingeweiht

12.09.2018

Katharina wurde eingeweiht

Der katholische Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz und der evangelische Stadtdekan Dr. Achim Knecht haben am Mittwoch, 12. September, die Verwaltung des St. Katharinen- und Weißfrauenstiftes im Hof zum Rebstock in der neuen Frankfurter Altstadt eingeweiht. Vor rund 80 geladenen Gästen, darunter Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung erinnerten die beiden Geistlichen an die Wurzeln der Stiftung, die aus dem mittelalterlichen Weißfrauenkloster und dem St. Katharinenkloster entstammt. Beide betonten, in einer weltlichen Stadt wie Frankfurt sei es etwas Besonderes, den Festtag und die künftige Arbeit einer säkularen Einrichtung unter Gottes Segen zu stellen. Achim Knecht zitierte den Bibelvers im Brief an die Galater, „Einer trage des Anderen Last…“, der die Motivation der Stiftung von den Anfängen im Mittelalter bis heute beschreibe: „Die Last der Altersarmut wird von der Stiftung mitgetragen.“ Knecht sagte, die Bezeichnung „Stiftsfrau“ für bedürftige Frauen, die die Stiftung in Frankfurt unterstützt, zeige „ein hohes Maß an Respekt und Achtung“. Der katholische Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz verließ das Rednerpult und spritzte Weihwasser in den Saal: „Ich segne die Menschen, die hier arbeiten und nicht das Gebäude. Wenn Sie Weihwasser trifft, ist das kein Versehen, sondern Absicht.“

 


Die Vorsitzende des Stiftungsvorstandes Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld sagte in ihrer Festansprache, die Stiftung blicke auf eine „spannende bewegte Geschichte“ zurück. Trotz Bauernkriegen und Säkularisierung gelang es, die Stiftungen des Weißfrauenklosters (1228) und des St. Katharinenklosters (1353) zu erhalten und 1876 zu einer Stiftung zu verschmelzen. Die heutigen Jahresrenten an 1400 Stiftsfrauen gewährleisteten „ein lebenswertes Älterwerden auch in einer hochpreisigen Stadt“. Birkenfeld nannte auch den zweiten Stiftungszweck, der 1959 hinzukam: bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum für Seniorinnen zu errichten. So sei gerade die 7. Wohnanlage in der Schwarzburgstraße im Nordend im Bau, einem beliebten Stadtteil, in dem es nicht leicht sei, eine bezahlbare Wohnung zu bekommen. Das Katharinen- und Weißfrauenstift schaffe zudem Möglichkeiten für Frauen, am Stadtleben teilzunehmen. Gutachten zeigten, dass häufig Frauen Stiftsfrauen würden, die den Krieg miterlebten, den Verlust des Ehepartners und häufig auch den Verlust der Heimat und der Familie zu verkraften hatten. Birkenfeld dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung für ihr Engagement während der Bauzeit und während des Umzuges. Sie sicherte allen Stiftsangehörigen für die kommende Zeit Unterstützung zu: „Wir machen uns viele Gedanken, damit sie in dieser schnelllebigen hochpreisigen Stadt gut leben können.“

Stiftungsdirektorin Ursula Poletti betonte, für die Stiftung sei es ein Anliegen, „dass die neue Frankfurter Altstadt auch ein Ort für finanziell nicht so gut situierte Frankfurter Seniorinnen und Senioren wird“. So vermietete die Stiftung dem Frankfurter Verband Räume im Erdgeschoss des Hofes zum Rebstock, damit er dort ein Café betreiben kann, in dem Gäste mit Frankfurt-Pass Vergünstigungen bekommen.

Der Hof zum Rebstock ist eng mit der Entstehungsgeschichte der Stiftung verbunden, sagte Historiker Björn Wissenbach in seinem Vortrag. Denn auf dem Grundstück lebte einst Katharina zum Rebstock, die ihrem Schwager Wicker Frosch einen Teil ihres Erbes vermachte, so dass dieser 1353 das St. Katharinenkloster stiften konnte, eine der beiden Wurzeln des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts.

Foto: Christoph Boeckheler 

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